27. November 2006 in Journal » Web 2.0

Was ist Web 2.0? Revision 1

Aufgrund der aufkommenden Diskusion im Artikel «Was ist Web 2.0? Diesmal kurz und knapp» stelle ich hier eine Revision unserer Definition von Web 2.0 bereit. Diese wurde von Kristof Dreier und mir verfasst.

Starke Vernetzung von Inhalten/Informationen - Blogs tragen mit starker Linkfreudigkeit und Trackbacks genauso wie Programmschnittstellen zu einer starken Vernetzung von Informationen bei. Wikipedia bietet eine interne Vernetzung der Artikel an, mit der man Fachwörter innerhalb eines Artikels direkt nachschlagen kann.

Setzt und fördert Standards - Die Standardisierung von Sprachen, wie CSS und XHTML wird durch starken Einsatz in den neuen Diensten sehr gefördert. Unbekannte Standards, wie RSS wurden dadurch erst bekannt, dadurch wird Informationsaustausch noch einfacher.

Hohe Wertlegung auf Benutzerfreundlichkeit - korrekte Darstellung in verschiedenen Medien und eine flache, einfache Navigationen spielen bei den neuartigen Diensten eine immer größere Rolle. Globale Nutzung von Merkmalen, die direkten Wiedererkennungswert besitzen z.B. RSS-Icon (orangener Button mit Radiowellen)

Benutzer können aktiv mitwirken - Projekte, wie Wikipedia oder digg basieren auf dem Wissen und der Aktivität von ihren Nutzern. Durch soziale Belohnungssysteme wird das Interesse geweckt und Aktivität gefördert.

Der Benutzer hat eine Stimme - Eine, die wirklich etwas bewirken kann. Einige Unternehmen haben große Blog-Bewegungen schon zu spüren bekommen, denn zufriedene und unzufriedene Kunden können ihre Erfahrungen mit dem Unternehmen leicht im Internet publizieren und mit anderen teilen/austauschen. Teils auch Zusammenschluss von Benutzern mit gleichen Zielen, um größere Effekte zu erzielen.

Rein browserbasiert - Um Web 2.0 Dienste in Anspruch zu nehmen, sind keine zusätzlichen Programme (außer dem Browser) nötig.

Ermöglicht gemeinsames Arbeiten an Projekten - Neuartige Kommunikationswege, wie Wikis oder Basecamp ermöglichen schnelles und sicheres Planen von Projekten.

Wichtige Desktop-Funktionen werden ins Web verlagert - Aufgabenlisten, Kalender, Word, Foto- und Videoablagen, Adressbuch

Benutzer helfen sich gegenseitig - Empfehlungs- und Bewertungssystem, die durch Benutzer gepflegt werden, helfen anderen Benutzern Entscheidungen zu treffen.

Plattformunabhängig - Es wird Wert darauf gelegt, dass die verschiedenen Dienste in möglichst vielen Medien zugänglich und benutzbar sind.

Starke Interaktion zwischen Website und Benutzer - Benutzer können Sich Ihren Inhalt auf bestimmten Seiten selbst zusammenstellen und anordnen z.B. Netvibes

Kontinuierliche Weiterentwicklung der Services ("perpetual beta") - veröffentlichte Dienste bleiben nicht "stehen", sondern werden ständig weiterentwickelt und es wird auf Wünsche der Benutzer eingegangen

Neuartige Archivierungen von Objekten durch Tags - Schlagwörter mit denen Inhalte versehen werden können. Inhalte haben nicht mehr nur eine Zugehörigkeit, sondern viele.

Stärkere Präsenz des Benutzers im Web - Durch einfache Einrichtung von Publizierungssystem können sich selbst nicht-technisch-versierte Menschen im Internet darstellen. "In the future, everyone will be famous for 15 Minutes" (Andy Warhol '68)

Kurzes Glossar

  • Blogs - Einfach zu bedienendes Veröffentlichungssystem mit periodischen Einträgen
  • Trackback - Als Trackback bezeichnet man eine Funktion, mit der Blogs Informationen über Kommentare durch einen automatischen Benachrichtigungsdienst untereinander austauschen können.
  • CSS - Sprache für Gestaltung von Internetseiten
  • XHTML - Erweiterbare Sprache für Strukturierung von Inhalten im Internet
  • RSS - RSS ist eine Technik, die es dem Nutzer ermöglicht, die Inhalte einer Webseite - oder Teile davon - zu abonnieren.
  • digg.com - Ein Instrument zur Bewertung von Artikeln. Über dieses System werden Artikel über das Internet verbreitet - hohe Bewertung = hohe Auffindbarkeit
  • Belohnungssysteme - Der Benutzer wird von anderen Benutzer auf Grund seiner Teilnahme und dem damit verbundenen Interesse für das Projekt bewertet und besonders hervorgehoben
  • Wikis - Ein Wiki ist eine im Internet verfügbare Seitensammlung, die von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch online geändert werden kann. Wikis ähneln damit Content-Management-Systemen. Ein bekanntes Wiki ist Wikipedia.
  • Basecamp - Ein Verwaltungssystem für mehrere Benutzer, um die Zusammenarbeit in einem Unternehmen zu fördern.
  • Netvibes.com - funktionaler Startseitendienst

8 Kommentare

Peter Dosenwurst am 27. November 2006 #

Nun ist es aber nicht mehr kurz und knackig, sondern lang und fettig. Warum schreibst du von einer kurzen Definition, wenn es hier ausgedruckt mehrere Seiten wären?

Peter Dosenwurst am 27. November 2006 #

Es geht mir nicht darum dich und deine Arbeit zu kritisieren, aber nachdenken wäre bei solchen Sachen doch mal angesagt, oder nicht?

Martin Labuschin am 28. November 2006 #

Für ein solch umfangreiches Thema ist diese (mit 12pt auf ein Din A4 Blatt passende) Beschreibung eigentlich zeimlich kurz und bündig.

Wenn man sich richtig über das Thema auslassen würde, wäre ein Buch nicht mehr fern. Ich denke, dass wenn man diesen Artikel gelesen hat, ein Stückchen mehr Ahnung vom Gedanken von Web 2.0 hat.


Bis du anderer Meinung?

PS. Ich bin froh, dass du den letzten Kommentar geschrieben hast. Auf die davor hätte ich nicht gern geantwortet :)

Tim Adler am 29. November 2006 #

Also ich sehe das auch extrem grenzwertig: Das Web 2.0 zu charakterisieren ist glaube genauso kompliziert wie zum Beispiel das Genre "Mystery Serie" zu umreißen. Grundsätzlich richtig ist aber, irgendwie muss man es ja erklären, sonst lässt sichs nicht verkaufen.

Für mich zum Beispiel war Web++ immer ne Frage von Technologien, nicht von Partizipation.

Politisches Journal für Web 2.0 am 13. Dezember 2006 #

Es sollte aber auch ein weiterer Punkt hinzugefügt werden:


Gesellschaftliche Verantwortung - Bereitstellen der Inhalte für die Deutsche Nationalbibliothek und damit Unterstützung des Aufbaus eines Spracharchivs.

Leider erwachsen daraus auch problematische rechtliche Folgen. Siehe auch: http://www.tiuz.de/nationalbibliothek-rechtliche-fallstricke-fuer-web-20/

Martin Labuschin am 14. Dezember 2006 #

Naja, meine Meinung dazu habe ich ja schon im September unterbreitet: http://labuschin.com/journal/kritik/bibliothek-soll-deutsches-internet-archivieren Das ist echt die dümmste Idee, die ich je gehören habe.

Trotzdem danke für deine Ergänzung.

Klaus am 18. Dezember 2006 #

Da muss ich dir leider recht geben Martin!

Mirko

Martin Labuschin am 18. Dezember 2006 #

Danke, Klaus bzw. Mirko (?!?)

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