12. August 2008 in Journal » Kritik

Social Bookmarking != Suchmaschinenoptimierung

Immer wieder fällt mir auf, wie dumm-dreist einige sog. „Suchmaschinenoptimierer“ die zu optimierenden Websites ihrer Kunden gleich massenweise in Social-Bookmarking-Dienste eintragen. Einige stellen danach stolz auf ihren Blogs vor, wo man noch überall Social-Bookmarking-Dienste „ohne nofollow“ finden kann um die Linkpopularität zu steigern. Dazu fällt mir nur Eines ein: Social Bookmarking ist nicht gleich Suchmaschinenoptimierung!

Als Mitarbeiter bei dimento.com (Anbieter von LinkARENA) kriege ich es hier jeden Tag mit, wie sich zig Leute mit ähnlichen Namen anmelden und alle dieselben Bookmarks ihrer sog. „Lieblings-Websites“ speichern. Dabei handelt es sich zu 99,99% um kommerzielle Dienstleistungs-, Erotik- oder Produktangebote. Von reinen Informationen, Nachrichten oder Zusammenstellungen von Reviews etc. keine Spur. Der letzte Satz bezieht sich nur auf diese Art der Nutzer. Nicht selten werden auch Unternehmer auf diese Plattformen aufmerksam und verdonnern wahrscheinlich ihre(n) Sekretär(in) dazu, 50 Benutzerkonten anzulegen und handwerk-xy.de dort einzutragen.

Der Sinn von Social Bookmarking ist bei diesen Unternehmern oder „Suchmaschinenoptimierern“ nie richtig angekommen. Social Bookmarking bedeutet nicht kostenlose Links und tonnenweise Traffic. Social Bookmarking bedeutet anderen Internetnutzern Links vorzustellen, die man interessant findet und/oder wiederbesuchen möchte. Ganz ohne kommerziellen Hintergedanken. Das beste Beispiel sind Blog- oder Nachrichtenartikel, die ein bestimmtes Thema behandeln, welches im Interessensgebiet des Bookmarkers liegt.

Gegen ein ehrliches Bookmark zu einer Produkt-Seite eines Herstellers ist ja grundsätzlich nichts zu sagen. Im Gegenteil: Darüber sollte sich der Hersteller freuen, denn hierbei handelt es sich nun um eine ernst gemeinte Empfehlung eines glücklichen Kunden. Wenn das Unternehmen aber selbst solche Bookmarks speichern muss, scheint etwas mit dem Kundenstamm nicht zu stimmen: Unzufriedenheit über Produkte/Dienstleistungen oder vielleicht ist es eine Zielgruppe, die nicht web-affin ist. Was soll’s? Die selbst gesetzten Bookmarks werden dann ja wohl auch nichts bringen, oder?

Das Thema nofollow in Verbindung mit Social-Bookmarking-Diensten ist das Ergebnis dieses Problems. Die „Suchmaschinenoptimierer“ schreien und heulen, weil immer mehr Anbieter alle ausgehenden Links mit dem nofollow-Attribut versehen. Dadurch werden diese Plattformen für diese Leute nämlich uninteressant, weil die Steigerung ihrer geliebten Linkpopularität dann schlichtweg über solch einfachem Wege nicht mehr möglich ist. Bei einigen Anbietern scheint diese Methode glücklicherweise zu funktionieren: Die Anteile der egoistischen Bookmarks sinken.

Es gibt noch viele andere Wege, solche Nutzer ausfindig zu machen. Anbieter verbringen viel mehr Zeit damit, als manch einer glaubt. Und die Ergebnisse lassen sich sehen.

In den Augen der Betreiber von Social-Bookmarking-Diensten soll ein solcher nicht als Werbeplattform für benutzereigene Websites dienen.

So lautet ein kleiner Teil meiner Beisteuerung zum Wikipedia-Artikel Social Bookmarking. Vieler solcher Eigenwerber oder „Suchmaschinenoptimierer“ verwechseln nämlich fälschlicherweise Social-Bookmarking-Dienste mit Online-Branchenverzeichnissen & Co., in denen Selbsteintragungen ja erwünscht sind.

Also, liebe Eigenwerber: Social Bookmarking sollte euch keine Arbeit bereiten, sondern euren Kunden und Klienten eine Plattform bieten, euch zu empfehlen. Für Selbsteintragungen habt ihr doch genug Branchenverzeichnisse.


16 Kommentare

Siegfried am 12. August 2008 #

Tja, das ist wohl ein sehr verbreitetes und allgemeines Problem. Die Maxime lautet wohl: "In _mein_ Reich komme...". Dass man zunächst Etwas geben muss, bevor man Etwas bekommen kann (vor Allem, wenn man Etwas zu geben hat), das wollen die Meisten nicht einsehen. Man könnte sich ja einen Zacken aus der Krone brechen, wenn man freiwillig Etwas weggibt ohne ein gesichertes RoI.

Diesen Kommentar hier kann man unter ähnlichen Gesichtspunkten betrachten. Ich schreibe einen Kommentar, weil ich denke, dass ich Etwas dazu beizutragen habe. Ich gebe also Etwas, ohne Garantie für ein RoI (Return on Investment). Das Einzige, das ich bekomme, ist ein Backlink. Ich weiss jetzt nicht, ob mit oder ohne "nofollow", aber darum geht es mir ja nicht. Trotzdem weiss ich natürlich, dass häufiges und vor Allem vernünftiges Kommentieren irgendwann auch wieder meiner eigenen HP nützt. Es ist immer ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Wer versucht, sich daran auf Kosten Anderer vorbei zu mogeln, wird früher oder später scheitern. Aber eine langfristige Denkweise war ja wohl noch nie die Stärke solcher "Geschäftemacher".

Martin Labuschin am 12. August 2008 #

Danke für diesen wertvollen Beitrag. (Auch wenn ich ihn zweimal lesen musste *g*)

Siegfried am 12. August 2008 #

Zweimaliges Lesen erhöht die Merkrate :)

Andreas am 12. August 2008 #

no-follow hin oder her, aber ist nicht die Listung solcher Dienste mit Verweisen der Seite X bei Google ein Indiz dafür, dass es doch funktioniert?

Martin Labuschin am 12. August 2008 #

Andreas, ich verstehe dich nicht ganz. Was meinst du?

Andreas am 12. August 2008 #

Naja, wenn ich jetzt von einer Seite ausgehe (Frisör Hamburg), dann finde ich einen Link bei Linkarena , aber dieser Link taucht nicht bei Google auf (das hast du ja schon angedeutet). Der Link von Mr. Wong schon. Ist das nicht dennoch ein Indiz dafür, dass es funktioniert? Immerhin ist der Link von Mr. Wong bei Google an Position 5 zu finden. Das kann doch nicht wirkungslos sein oder?

Martin Labuschin am 12. August 2008 #

Es geht ja nicht darum, dass die SB-Anbieter nicht in Suchmaschinen gefunden werden möchten. Es geht auch nicht darum, dass Suchmaschinen-Nutzer über uns auch zur Website www.frisoer-Hamburg-2008.de kommen. Es geht mir nur darum, dass Eigenwerber die Tatsache ausnutzen, dass es einfach ist an externe Links (in diesem Falle von den Domains der SB-Anbieter) für ihre Website zu kommen. Der Community- und der Social-Web-Gedanke geht doch dann flöten. Verstehst du, was ich meine?

Andreas am 12. August 2008 #

Du willst also nur drauf aufmerksam machen, das man es nicht machen sollte, nicht, dass es nicht funktioniert... Ich glaub, jetzt hab ichs... ;-)

Martin Labuschin am 12. August 2008 #

Genau :)

Siegfried am 13. August 2008 #

Sozusagen ein Appell an die nicht-existenten Gutmenschen. Oder beinahe nicht-existent.

Dieses "Jeder ist sich selbst der Nächste" führt halt dazu, dass man z.B. Social Bookmarking auf Kosten Anderer für den eigenen Vorteil missbraucht. Dabei ist Social Bookmarkng gedacht als Sozialkitt im Internet. Wer also an solchen Social Bookmarking Services parasitär teilnimmt, der vergrößert seinen eigenen Nutzen auf Kosten der vielen Anderen.

Diese Denkweise ist uralt. So alt, wie die Menschheit. Wissenschaftlich untermauert wurde diese Denkweise mit dem Aufkommen der Evolutionstheorie (der Stärkste und Rücksichtsloseste setzt sich durch und überlebt). Dabei ist heute gerade auch im Ramen der Evolutionstheorie längst wissenschaftlich bewiesen, dass ds Gegenteil der Fall ist. Altruismus hilft der Gemeinschaft, und das Wohl der Gemeinschaft dient auch dem Wohl des Individuums. Die Individuen, die also am Wohl der Gemeinschaft interessiert sind, profitieren dadurch indirekt auch persönlich davon. Auf diese Art profitieren alle Mitglieder einer Gemeinschaft, während nach der Methode "ich zuerst" nur sehr wenige profitieren. Diese profitieren davon allerdings überproportional, aber der Gesamtprofit (die Summe der Profite Aller) ist dabei drastisch geringer.

Wenn alle Nutzer eines Social Bookmarking Services ihr Hauptaugenmerk darauf legen würden, den Nutzen für die Gemeinschaft zu erhöhen, hätten Alle sehr viel davon. So aber haben einige Wenige vorübergehend einen Vorteil davon, zerstören aber dadurch diesen Service, machen ihn zu einer Farce.

Dominic am 2. September 2008 #

[EDIT] Dieser Kommentar wurde aufgrund beleidigender Aussagen gegen Dritte entfernt.

Christian am 19. September 2008 #

Social Bookmarkdienste sind out, da inzwischen praktisch alle nofollow. Jetzt kommen die Blogs dran...

Der Denker am 12. November 2008 #

Klar bringt Altruismus die Gesellschaft weiter. Das stimmt. Ist auch wissenschaftlich zu beweisen. Aber eines ist noch stärker: Ein Egoist in einer Altruistischen Gesellschaft profitiert enorm. Und genau das ist das Problem. Denn solange es eine Möglichkeit gibt, Web 2.0 Anwendungen für den reinen Eigennutz zu nutzen, wird es immer jemanden geben, der dies tut.

wolle am 26. November 2008 #

Social Bookmarkdienste haben sich auch selbst ins abseits katapultiert, und jetzt alles einfach nur auf den Suchmaschinenoptimierer zu schieben währe zu einfach, ob mit oder ohne nofollow.

So viele Bookmarkdienste, die kaum vom Normal-User beachtet werden, geh doch mal auf die Strasse und frage: Was sind Social Bookmarkdienste, bzw. nenne mir nur ein paar Namen dieser Bookmarkdienste...

Du wirst nicht viel zu hören bekommen. Sorry aber leider ist das so..

Tim am 8. Dezember 2008 #

Ich verstehe nicht weshalb SB-Links so oft so hoch gelobt werden. Extreme Power bekommt man da langfristig sicherlich nicht - genauso wie bei Webkatalogen und Artikelverzeichnissen. Kurzfristig viel Traffic sicherlich ja - dauerhafte Ranking Verbesserungen eher nein.

Martin Labuschin am 8. Dezember 2008 #

Tim, du teilst anscheinend die Ansicht, dass Social Bookmarking nur eine Marketing-Maßnahme ist. Das ist falsch. Social Bookmarking ist in erster Linie ein lustiges Bookmark-Teilen und -Tauschen mit seinen Freunden und Kollegen.

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